Biologisch gärtnern

Hauptsache Bio, oder was?

Frau mit Gemüse

An jeder Ecke wird man heute mit Bio konfrontiert. Selbst Discounter greifen den momentan wiederkehrenden Hype auf und wetteifern mit billigen Bio- Eiern, Bio-Gemüse und Bio-Milch um die Gunst des Kunden. Bei so manch einem ruft dieser neue Trend Unbehagen hervor, verstärkt durch immer wieder kehrende Skandale und aufgedeckte Täuschungen. Muss dieses Modewort jetzt auch noch Einzug in den Hobbygarten halten?

Muss es nicht, finden wir. Aber das, was hinter diesem Begriff steht.

was soll das sein?

Zunächst einmal müssen wir uns begreiflich machen, dass Biologie eigentlich die Lehre von Lebewesen ist und genau diese Definition verbirgt sich auch hinter dem Begriff des biologischen Gärtnerns. Je mehr Bücher man zu dem Thema wälzt, desto klarer wird, dass es für jeden etwas anderes zu bedeuten scheint.

Gemeinsames Ziel von allen aber ist es, im Einklang mit der Natur und den vorhandenen Lebewesen ein gesundes Pflanzenwachstum zu erlangen. Denn darum geht es doch beim Gärtnern- mit der Natur mitsamt ihren Lebewesen etwas zu schaffen und nicht gegen sie zu arbeiten.

Und das ist keine revolutionäre neue Erkenntnis. Genau darum ging es Menschen über die Jahrhunderte immer wieder. Leider ging über die Zeit auch immer wieder viel Wissen verloren oder wurde durch scheinbar leichtere schnelle Problemlösungen verdrängt. Denn eines muss klar sein: Es ist deutlich anstrengender und langwieriger, zu versuchen den eigenen Garten in ein biologisches Gleichgewicht zu bringen als zu Giftspritze und Co zu greifen. Und wer schnelle Resultate sehen will, wird manches Mal enttäuscht.

Trotzdem war für uns schnell klar:  Wir wollen Bio-Gemüse anbauen, ungespritzt und ohne Giftstoffe! Denn das ist ja einer der entscheidenden Gründe, weshalb wir uns die Arbeit machen. Der Genuss der selbst geernteten Früchte unseres Gartens ist uns das wert. Und das Arbeiten im Einklang mit der Natur sowieso.

was heißt das ganz konkret?

Es gibt bestimmte Vorgehensweisen, die einem in der Literatur immer wieder begegnen.

Wir für uns versuchen das biologische Gärtnern folgendermaßen konkret umzusetzen:

• Wir bemühen uns, ein gutes Bodenklima zu schaffen. Das gelingt uns, indem wir Fruchtfolge und Mischkultur betreiben und Gründünger wie beispielsweise Klee, Senf oder Phazelia auf wechselnden Flächen anwenden.

• Wir düngen ausschließlich mit organischem Dünger wie Pferdemist, Kompost und diversen Pflanzenjauchen.

• Wir versuchen die Nützlinge und natürlichen Fressfeinde der Schädlinge, die unsere Pflanzen bedrohen, zu stärken, indem wir ihnen Wohnraum (Nistgelegenheiten/Insektenhotels etc.) zur Verfügung stellen. Außerdem pflanzen wir bestimmte Blumen extra für die Wildbienen und Hummeln, die oft keine Nahrung mehr in unseren Gärten finden und an Entkräftung sterben.

• Wir lassen bestimmte verwilderte Ecken im Garten bestehen, um Igeln, Salamandern und Eidechsen einen Rückzugsort zu bieten.

• Wir versuchen unsere Pflanzen mit natürlichen Mitteln im Vorfeld zu stärken, damit sie gar nicht erst erkranken (Ackerschachtelhalmtee zum Beispiel verbessert die Zellstruktur der Pflanzen und macht sie damit weniger attraktiv für Fressfeinde) Sind wir dennoch einmal gezwungen, einzugreifen, beschränken wir auf möglichst sanfte Methoden.

• Nach dem Vorbild des Waldes mulchen wir die Beete mit Rasenschnitt, Stroh oder Laub, was nicht nur Unkraut unterdrückt und die Beete düngt, sondern auch die Wasserverdunstung verlangsamt und uns unnötiges Gießen erspart.

Wenn dennoch diverse Unkräuter (oder sollten wir biologisch denkend sagen: Beikräuter? ;)) ihren Weg an die Oberfläche finden, versuchen wir uns nicht mehr darüber zu ärgern, sondern auch diese sinnvoll zu verwenden: Giersch und Löwenzahn bereichern den Salat, Gundermann und Gänseblümchen sind ebenfalls essbar und erfreuen die Bienen, Brennessel wird zur Suppe oder Tee und Ackerschachtelhalm zum Stärkungsmittel im Garten.

Bleibt zu sagen: Wir sind auch noch am Beginn der Reise, aber dennoch denken wir es lohnt sich dran zu bleiben, auch wenn nicht alles von heute auf morgen klappt. Schließlich ist das Ziel lohnend und sind wir mal ehrlich: Der Weg dahin macht doch auch schon Spaß!

Quellennachweise

Bild:Frau mit Gemüse
Quelle:jf-gabnor@ pixabay.com
Lizenz:CC0 / Public Domain